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Erschienen im 06.2022

Das gescheiterte Großexperiment der EZB – was jetzt?

Ein Diskussionsbeitrag von

Mitgliedern des Aktionskreis Stabiles Geld:

 

Andrea Gubitz, Thomas Jost, Franz Seitz, Karl-Heinz Tödter, Gerhard Ziebarth

Im Juli d. J. ist es nun soweit! Mit viel publizistischem Getöse und medialer Begleitung hat die EZB bzw. das Eurosystem im Juni eine vorsichtige Erhöhung ihrer Leitzinsen angekündigt. Nach dem Auslaufen ihres Ankaufprogramms PEPP im März sollen zudem Ende Juni die Nettokäufe aus dem APP-Paket eingestellt werden. Die Leitzinsen werden um 25 Basispunkte angehoben.  Dabei handelt es sich um die erste Zinserhöhung seit über 10 Jahren.

In den Kommentaren ist viel von „Zeitenwende“ die Rede, und für viele Kurzzeitgedächtnis-Experten wird der Zinsbeschluss eine „Premiere“ bedeuten, operiert doch die EZB bereits seit 2008 in immer stärkerem Maße im Dauerkrisenmodus. Bereits jetzt werden indes die gestiegenen Kapitalmarktrenditen und Zinsaufschläge z.B. für italienische Staatsanleihen von der EZB als Hinweis für ein krisenverschärfendes „Overshooting“ bzw. eine „bedrohliche Markt- Segmentierung“ ihrer neuen Ausrichtung interpretiert.

Was ist von einem derartigen Kurswechsel zu halten?

Wie ist die jetzige neue Lage wirkungsanalytisch einzuordnen?

Welche Implikationen ergeben sich in Bezug auf den sich abzeichnenden neuen Policy-mix im Euroraum?